Es ist ein kleines Gedankenexperiment, das man auf Messen gerne macht: Augen schließen, einmal quer durch die Hallen gehen und schauen, was bleibt. Auf der Rolling Pin Convention 2026 wäre die Antwort für viele Besucher wohl: Käse, Fleisch, Wein. Das Übliche. Das Gute. Das Bewährte.
Ich habe etwas anderes gesucht.
Gezielt bin ich durch die Reihen gegangen, mit einer einzigen Frage im Kopf: Wie ernst nehmen die Aussteller das Thema Non Alcoholic? Was zeigen Winzer, Distributoren, Getränkeproduzenten, und vor allem: wie präsentieren sie es?
Das Ergebnis war ermutigend, und es zeigt, wo wir stehen.
Das Alkoholfreie ist überall
Das Alkoholfreie war präsent. Nahezu jeder Weinstand hatte irgendetwas anzubieten, einen entalkoholisierten Weißwein hier, einen alkoholfreien Sekt dort. Alkoholfreies Bier war selbstverständlich dabei. Und es gab Sirupspezialitäten zum Mischen, die auf eine wichtige Erkenntnis hinwiesen. Ein Anbieter brachte es auf den Punkt: „Es muss für den Gastronomen einfach und schnell sein. Dann wird es auch verwendet." Kein langer Prozess, keine Ausrüstung, kein Schulungsaufwand. Einfach aufgießen, servieren, fertig.
Das ist eine pragmatische Wahrheit, die in der Branche oft übersehen wird. Die schönste alkoholfreie Getränkekarte nützt nichts, wenn das Personal hinter dem Tresen zögert.
Ehrlich gesagt wirkte die Kategorie auf manchen Ständen noch wie ein Nebenschauplatz: die alkoholfreien Flaschen etwas abseits, die Begeisterung gedämpft. Aber das ist kein Vorwurf, sondern eine Momentaufnahme. Wer sich die Marktentwicklung ansieht, weiß: Das wird sich ändern.
Was ich probiert habe
Sparkling Tea war auf der Convention überraschend präsent. Mehrere Anbieter hatten Versionen dabei, florale Noten, grüner Tee mit Zitrus, dunklere tanninreiche Varianten, die tatsächlich an einen leichten Rotwein erinnerten. Sparkling Tea ist ehrlich in dem, was es ist: kein Wein-Ersatz, sondern eine eigene Kategorie. Und das macht es stark.
Bei den Sparkling-Traubensäften war der Ehrgeiz spürbar. Die Ansätze waren unterschiedlich: Hopfen für Bitterness und Struktur, Chinin als klassischer Bitterlieferant, Fermentation für Tiefe und Komplexität. Alles Versuche, das zu bauen, was Wein im Gaumen macht, ohne Alkohol.
»Die interessantere Frage ist nicht, ob es wie Wein schmeckt, sondern ob es erwachsen schmeckt.«
Am überzeugendsten hat bei mir der Hopfenansatz funktioniert. Die Bitterness war nachvollziehbar, nicht aufgesetzt, es gab eine gewisse aromatische Spannung. War es Wein? Nein. Muss es das sein? Auch nicht. Die interessantere Frage ist, ob es erwachsen schmeckt. Und da zeigt der Hopfenansatz, wohin die Reise gehen kann.
Warum das gerade wichtig ist
Der Begriff Zebra Striping macht gerade in der DACH-Gastronomie die Runde. Die Idee dahinter ist denkbar einfach: bewusst abwechseln zwischen alkoholischen und alkoholfreien Getränken über den Abend, ein Glas Wein, dann ein alkoholfreier Highball, dann wieder ein Cocktail. Kein Verzicht-Narrativ, keine Wellness-Predigt. Sondern eine Trinkkompetenz, die voraussetzt, dass alkoholfreie Optionen gut genug sind, um sie wählen zu wollen.
Die Marktdaten bestätigen den Hunger danach: Del Fabro Kolarik meldet +60 % Wachstum im alkoholfreien Segment, alkoholfreie Spirituosen allein +40 %. Das Deutsche Weininstitut verzeichnet +25 % bei entalkoholisierten Weinen, und bereits jeder dritte Weinbetrieb hat alkoholfreie Produkte im Sortiment, ein Anstieg von 37 % gegenüber dem Vorjahr. Falstaff PROFI nennt Zebra Striping explizit als Gastronomie-Verhaltenstrend. Die Nachfrage ist real.
Erwachsen trinken, ohne Alkohol
Was alkoholfreie Getränke brauchen, ist eigentlich eines: Sie müssen erwachsen schmecken. Nicht wie Saftschorle. Nicht wie Kindertisch. Komplex, eigenständig, mit einer Geschichte im Glas.
Dass das geht, zeigen einzelne Betriebe schon heute. Im Finest Family Resort etwa gibt es eine breite alkoholfreie Getränkekarte mit echter Auswahl, vom alkoholfreien Gin Tonic, der längst keine Besonderheit mehr sein sollte, bis zum alkoholfreien Whiskey Sour. Das ist keine Randnotiz, das ist ein Statement: Wer hier keinen Alkohol trinkt, bekommt keine Abstriche serviert.
»Wer hier keinen Alkohol trinkt, bekommt keine Abstriche serviert.«
Genau solche Beispiele zeigen, wohin die Reise geht. Die Produkte sind da. Die Nachfrage ist da. Was jetzt wächst, ist das Bewusstsein: alkoholfrei ist kein Kompromiss, sondern eine gleichwertige Wahl.
Die Rolling Pin Convention hat das bestätigt. Das Thema ist angekommen. Jetzt muss es nur noch von der letzten Reihe des Tisches nach vorne rücken.