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  • Nikola Reiter, Gastgeberin im Reiters Reserve in Bad Tatzmannsdorf
    Foto: Reiters Hotels
    Interview · Hotellerie · Gastgeberin

    Nikola Reiter.

    „Man wird mutiger und gleichzeitig geduldiger“: Nikola Reiter über Verantwortung und echte Gastfreundschaft

    Das Reiters Reserve in Bad Tatzmannsdorf ist weit mehr als ein Hotelbetrieb. Zwei unterschiedliche Häuser, Landwirtschaft, Tierhaltung, Kulinarik, Spa, Familienangebote und rund 360 Mitarbeitende greifen hier ineinander. Gemeinsam mit ihrem Mann Karl J. Reiter führt Nikola Reiter das weitläufige Resort als Familienunternehmen und denkt dabei bewusst über den nächsten Geschäftsbericht hinaus.

    Im Gespräch erzählt sie, warum wirtschaftlicher Erfolg und echte Gastfreundschaft für sie keine Gegensätze sind, weshalb gute Entscheidungen nicht allein in der Geschäftsführung entstehen und was junge Menschen an ihrem ersten Arbeitstag brauchen. Es geht um Verantwortung gegenüber Gästen, Mitarbeitenden und Tieren, um langfristige Investitionen und um einen Luxus, der sich weder bauen noch vermehren lässt: Zeit.

    Dabei zeigt sich eine Gastgeberin, die Veränderung nicht als Bruch mit dem Bestehenden versteht. Ihr Ziel ist ebenso einfach formuliert wie anspruchsvoll: Menschen sollen glücklicher abreisen, als sie angekommen sind.

    Sie führen kein einzelnes Hotel, sondern ein System aus zwei Hotels, Landwirtschaft, Tierhaltung, Spa und Freizeitangeboten. Wie behalten Sie dabei den Blick für den einzelnen Gast?

    Ich glaube, genau darin liegt unsere eigentliche Aufgabe. Kein Gast reist wegen unserer Organisationsstruktur an. Die Menschen kommen, um eine schöne Zeit zu verbringen. Deshalb versuche ich, Entscheidungen nie aus der Perspektive einzelner Abteilungen zu treffen, sondern immer aus der Sicht des Gastes.

    Ob Landwirtschaft, Spa, Kulinarik oder Kinderbetreuung, am Ende zählt nicht, wie gut jeder Bereich für sich allein funktioniert, sondern ob daraus ein stimmiges Gesamterlebnis entsteht.

    Gerade weil unser Resort so vielfältig ist, müssen wir uns immer wieder fragen: Macht diese Entscheidung den Aufenthalt für den Gast besser?

    Deshalb suchen wir bewusst das Gespräch mit unseren Gästen. Die besten Ideen entstehen beim Frühstück, im Spa oder bei einem Spaziergang durch unsere Anlage. Unsere Gäste sind für uns die ehrlichsten Berater.

    Was bedeutet es im Tagesgeschäft, wenn der wirtschaftliche Druck steigt, aber Ihr Anspruch bleibt, dass man Menschen mögen muss, um in der Hotellerie zu bestehen?

    »Wer Menschen, sowohl Gäste als auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wirklich gerne hat, wird in unserer Branche langfristig wirtschaftlich erfolgreicher sein als jemand, der nur auf Kennzahlen schaut.«

    Wirtschaftlicher Erfolg und Gastfreundschaft stehen für mich nicht im Widerspruch, sondern im Einklang.

    Natürlich gibt es Tage, an denen Zahlen, Kosten und Auslastung im Vordergrund stehen. Aber wir dürfen nie vergessen, dass unser Erfolg immer das Ergebnis zufriedener Gäste und engagierter Mitarbeitender ist.

    Deshalb versuche ich, auch unter Druck nie Entscheidungen zu treffen, die kurzfristig Geld sparen, langfristig aber Vertrauen kosten.

    Was verändert sich in einer Entscheidung, wenn sie sich nicht im nächsten Quartal rechnen muss, sondern über Generationen gedacht wird?

    Man wird mutiger und gleichzeitig geduldiger.

    Als Familienunternehmen müssen wir nicht jede Entscheidung nach dem nächsten Quartal bewerten. Wir fragen uns viel öfter: Wird diese Entscheidung unser Unternehmen langfristig stärker machen?

    Dieses Denken verändert vieles. Man investiert eher in Menschen, in Qualität und in Dinge, deren Ertrag sich manchmal erst Jahre später zeigt. Gerade in einer Zeit, in der vieles immer kurzfristiger wird, empfinde ich das als großen Vorteil.

    Das Reiters Supreme wird als „Ausgezeichneter Tourismusbetrieb für Lehrlinge“ geführt und betreibt eine eigene Lehrlingsakademie. Was unterscheidet eine wirklich gute Ausbildung im Hotelalltag von einem guten Versprechen im Recruiting?

    Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung als „Ausgezeichneter Tourismusbetrieb für Lehrlinge“.

    Ob unser Konzept wirklich funktioniert, erkennen wir daran, ob Lehrlinge gerne zur Arbeit kommen und sich im Laufe ihrer Lehrzeit sichtbar weiterentwickeln.

    Ich glaube, einer der wichtigsten Tage einer Lehre ist der erste Tag. An diesem Tag entscheidet sich oft, ob sich ein junger Mensch willkommen oder verloren fühlt. Deshalb legen wir sehr viel Wert darauf, unsere Lehrlinge von Anfang an gut abzuholen.

    Dabei helfen ein Buddy-System, engagierte Abteilungsleiterinnen und Abteilungsleiter sowie Kolleginnen und Kollegen, die sich bewusst Zeit nehmen, die Lehrlinge mitzunehmen und in das Team zu integrieren.

    Eine gute Ausbildung besteht für uns nicht nur darin, Fachwissen zu vermitteln. Wir arbeiten mit jungen Menschen in einer wichtigen Phase ihres Lebens. Sie machen ihre ersten Erfahrungen in der Arbeitswelt, entwickeln Selbstvertrauen, lernen, Verantwortung zu übernehmen, und entdecken ihre eigenen Stärken.

    Wir begleiten sie auf diesem Weg. Dabei ist es uns wichtig, dass sie Freude an der Arbeit mit Menschen entwickeln.

    Natürlich ist nicht jeder Arbeitstag großartig. Es gibt stressige Tage, Fehler und Herausforderungen. Dann ist es wichtig, dranzubleiben, miteinander zu reden und nicht gleich aufzugeben. Entwicklung entsteht nicht an den einfachen Tagen, sondern oft genau dann, wenn etwas einmal nicht perfekt läuft.

    Was ist für Sie eine Form von Luxus, die sich nicht kaufen oder baulich herstellen lässt?

    Zeit ist das Einzige, was wir Menschen nicht vermehren können. Deshalb empfinde ich es als großes Privileg, wenn Menschen ihre Zeit bei uns verbringen.

    Für mich ist Zeit der größte Luxus. Zeit für Gespräche, für die Familie und für sich selbst.

    Das ist der Grund, warum wir diesen Ort geschaffen haben: einen Platz, an dem Menschen ihre kostbarste Ressource verbringen, ihre Urlaubszeit.

    Unser Ziel ist eigentlich ganz einfach. Wir möchten, dass Menschen bei uns eine richtig gute Zeit haben. Wenn Gäste glücklicher nach Hause fahren, als sie angekommen sind, dann war unser Tag erfolgreich.

    Gibt es etwas, das Gäste heute erwarten, das mit echter Erholung eigentlich im Widerspruch steht?

    Ich glaube, wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen verlernt haben, nichts zu tun.

    Selbst im Urlaub möchten manche möglichst viel erleben, alles fotografieren und ständig erreichbar sein. Dabei entsteht Erholung oft genau dann, wenn nicht permanent etwas passiert.

    Wir versuchen deshalb, Räume zu schaffen, in denen Menschen wieder zur Ruhe kommen dürfen, ohne das Gefühl zu haben, ständig etwas zu verpassen.

    Manchmal ist der größte Luxus heute nicht das nächste Erlebnis, sondern endlich einmal nichts erleben zu müssen.

    Was macht für Sie Luxus für eine Familie aus, jenseits von Beschäftigungsprogramm und Zimmerausstattung?

    »Luxus bedeutet, dass Eltern entspannen können, Kinder glücklich sind und alle gemeinsam Erinnerungen schaffen, an die sie sich Jahre später noch erinnern.«

    Familien verbringen heute oft viel zu wenig echte Zeit miteinander. Deshalb ist Luxus für mich nicht das größte Spielzimmer oder die längste Rutsche.

    Wenn Kinder am Ende des Urlaubs fragen, wann sie wiederkommen dürfen, und die Eltern sich gleichzeitig wirklich erholt haben, dann haben wir vieles richtig gemacht.

    Besonders berührt mich, dass heute immer öfter drei Generationen gemeinsam Urlaub machen. Wenn Großeltern, Eltern und Kinder an einem Tisch sitzen, lachen, diskutieren und einfach Zeit miteinander verbringen, dann sehe ich genau den Luxus, den wir ermöglichen möchten.

    Diese Momente kann man nicht kaufen.

    Welche Produkte aus Ihrer eigenen Landwirtschaft prägen die Küche am stärksten, und was bedeutet das dafür, was auf den Teller kommt?

    Unsere Landwirtschaft ist für uns viel mehr als ein Lieferant. Sie prägt unsere Haltung.

    Das beginnt bei hochwertigem Rindfleisch unserer eigenen Angusherde. Unsere Angusrinder wachsen langsam auf unseren Weiden und Almen auf. Sie haben Zeit, leben artgerecht und werden ohne Transport direkt am Hof geschlachtet.

    Das ist respektvoll gegenüber dem Tier und macht sich am Ende auch geschmacklich bemerkbar.

    Für mich bedeutet Landwirtschaft deshalb nicht nur Herkunft, sondern Verantwortung. Zusätzlich setzen wir auf saisonale und regionale Produkte. Das schafft eine unmittelbare Verbindung zwischen Natur, Landwirtschaft und Küche.

    Für unsere Gäste bedeutet das nicht nur Frische und Qualität, sondern auch Transparenz. Wir wissen, woher unsere Lebensmittel kommen, und genau das schafft Vertrauen.

    Wann haben Sie zuletzt eine Entscheidung geändert, weil eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter Sie überzeugt hat?

    Ehrlich gesagt passiert das regelmäßig. Ich fände es sehr bedenklich, wenn es nicht so wäre.

    Ich bin überzeugt, dass gute Ideen nicht an Positionen gebunden sind. Wer täglich am Gast arbeitet, sieht oft Dinge, die ich gar nicht sehen kann.

    Deshalb ist es mir wichtig, zuzuhören und Argumente gelten zu lassen, unabhängig davon, von wem sie kommen.

    Die besten Entscheidungen entstehen meist dann, wenn unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen.

    Können Sie in Ihrem eigenen Hotel noch Gast sein, oder sehen Sie dort vor allem das, was noch verbessert werden könnte?

    Ja, das kann ich. Ich bin tatsächlich sehr gerne hier.

    Ich mag die besondere Atmosphäre unseres Resorts, die Weite der Landschaft, unsere Pferde und Tiere, aber vor allem die Menschen, die diesen Ort jeden Tag mit Leben füllen.

    Es gibt viele Momente, in denen ich einfach genieße und mir bewusst wird, wie schön dieser Platz eigentlich ist.

    Natürlich entdecke ich auch immer wieder Dinge, die wir verändern oder weiterentwickeln können. Nicht, weil das Alte nicht mehr gut wäre, sondern weil Veränderung neue Energie bringt.

    Ich glaube, genau das ist das Geheimnis eines familiengeführten Unternehmens: Man bewahrt das, was den Charakter eines Ortes ausmacht, und entwickelt ihn gleichzeitig mit viel Liebe zum Detail weiter.

    So bleibt unser Hotel lebendig, für unsere Gäste genauso wie für uns selbst.

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