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  • Schaufenster der Tunï Gallery mit dem Schriftzug Speciality Gallery, dahinter ein Cold-Drip-Turm aus Holz und Glas und Regale mit Porzellantassen
    Bild: KI-bearbeitet
    Reportage · Kaffee & Keramik · Rovinj

    Wenn Kaffee zur Kunst erhoben wird

    Veröffentlicht am

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    Etwas versteckt, in zweiter Reihe, liegt Tunï Gallery in Rovinj. Nicht dort, wo sich die größten Besucherströme durch die Altstadt schieben, sondern ein wenig abseits. So, dass man den Ort eher findet als zufällig hineinläuft. Das scheint Teil des Konzepts zu sein.

    Kristóf spricht im Gespräch von „high quality customers“. Gemeint sind damit keine besonders zahlungskräftigen Gäste, sondern Menschen, die bewusst kommen und sich für das interessieren, was Tunï Gallery ausmacht.

    Und das ist deutlich mehr als Kaffee.

    Kristóf und Eszter stammen aus Budapest. Mit Rovinj verbindet die beiden dennoch eine lange gemeinsame Geschichte: Vor rund 15 Jahren haben sie sich hier kennengelernt. Heute verbringen sie mit Tunï Gallery ihre zweite Saison an diesem Ort.

    Auch der Name entstand in Rovinj, aus einer kleinen Begebenheit. Kristóf erzählt von dem Versuch, Sardinen zu kaufen, und von kleinen Fischen, die ihm gegenüber als „Tunï Gallery“ bezeichnet worden seien. Der Name blieb hängen.

    Keramik, die Landschaften speichert

    Das eigentliche Hauptgeschäft ist nicht der Kaffee, sondern die Kunst.

    Kristóf arbeitet mit Porzellan und fertigt vor allem Tassen: Einzelstücke für zu Hause, keine Ware für den Cafébetrieb. In Budapest hat er eine größere Werkstatt, in der er im Winter produziert. Eszter gestaltet Schmuck, der ebenfalls bei Tunï Gallery verkauft wird. Der Laden funktioniert deshalb eher wie eine kleine Galerie mit Kaffeebar als wie ein klassisches Café.

    Kristófs Arbeiten sind stark von Landschaften, Reisen und Küstenformen geprägt. Im vergangenen Jahr dominierten dunkle Oberflächen, inspiriert von den Azoren, vom schwarzen Lavagestein und der rauen Landschaft dort. Die aktuelle Kollektion greift den helleren Kalkstein rund um Rovinj auf.

    Dabei geht es nicht nur um Farben oder Glasuren. Auch die Form der Tassen ist Teil der Erzählung. Kristóf erklärt, dass sowohl die Gefäße als auch das Logo von einem Leuchtturm inspiriert sind: unten breiter, nach oben verjüngt. Ein einfaches Detail, das erst beim genaueren Hinsehen seine Geschichte erzählt. Auch Felsen, Küstenstrukturen und maritime Formen tauchen in den Arbeiten immer wieder auf.

    Holzregal mit vielen Fächern voller handgefertigter Porzellantassen in Weiß, Rosa, Blau und Schwarz
    Foto: Nadine Nissen

    Zwei bis drei Chargen am Tag

    Diese Haltung setzt sich beim Kaffee fort.

    Eine klassische Kaffeekarte gibt es nicht. Kein Cappuccino, kein Espresso, keine lange Auswahl. Serviert wird Cold Drip, der anschließend mit Stickstoff gezapft wird. Aus dem Hahn fließt er fast wie ein Stout in den Becher. Die feinen Stickstoffbläschen bilden eine helle Schaumkrone und geben dem Kaffee eine überraschend weiche, cremige Textur.

    Kaffeekarte auf einem Klemmbrett mit zwei Cold-Drip-Sorten unter der Überschrift On the Tap, illustriert mit Vögeln
    Foto: Nadine Nissen

    Pro Tag entstehen lediglich zwei bis drei Chargen. Die Röstungen wechseln und stammen von kleinen Röstereien. Und wenn der vorbereitete Cold Drip für diesen Tag leer ist, dann ist er eben leer. Es wird nicht improvisiert, nur um länger verkaufen zu können.

    Becher mit gezapftem Cold Drip und heller Schaumkrone, darauf das Logo von Tunï Gallery
    Foto: Nadine Nissen

    Das klingt im ersten Moment streng. Eigentlich beschreibt es aber ziemlich genau, was Tunï Gallery ausmacht: lieber wenig und gut als viel und beliebig.

    Dazu gibt es Cube Croissants. Besonders die Variante mit Blauschimmelkäse bleibt im Gedächtnis: kräftig, salzig, buttrig und überraschend passend zum kalten Kaffee.

    Würfelförmiges Croissant mit Creme und Feige zwischen Kakteen und Sukkulenten
    Foto: Nadine Nissen
    Becher mit hellem Kaffeegetränk vor einem Ziegenbild, daneben Cube Croissants mit Pistazienbelag
    Foto: Nadine Nissen

    Noch keine Kaffeeszene

    Kristóf sagt, dass es in Rovinj bislang keine wirkliche Kaffeeszene gebe. Tunï Gallery sei derzeit der einzige Specialty-Coffee-Ort dieser Art in der Stadt. Er glaubt jedoch, dass sich das in den kommenden Jahren ändern wird.

    Aktuell besteht die Kundschaft fast ausschließlich aus Touristen, Einheimische kommen nur selten. Das ist interessant, gerade weil Tunï Gallery nicht versucht, maximal touristisch zu funktionieren. Die Auswahl ist klein, die Produktion begrenzt, und es gibt keine Garantie, dass am späten Nachmittag noch Kaffee da ist.

    Tunï Gallery will nicht für jeden alles sein. Der Ort verlangt ein wenig Aufmerksamkeit, und darin liegt sein Reiz.

    Unrund darf unrund sein

    Zum Schluss darf ich mir die Tassen in Ruhe ansehen und in die Hand nehmen. Sie sind schwer, Porzellan eben.

    Kristóf erzählt, dass er mit verschiedenen Porzellansorten experimentiert, und zeigt mir zwei Chargen. Die eine aus einem sehr weißen Porzellan, wunderschön, aber nicht ganz rund, weil das Material die Form nicht hält. Die andere aus einer Sorte, die weniger weiß ist, dafür schön rund.

    Die unrunden Tassen sind kein Fehlversuch. Sie sind ein Experiment und haben genauso ihre Daseinsberechtigung.

    Es ist dieselbe Haltung wie beim Kaffee: Das Material bestimmt, nicht der Verkauf. Der Cold Drip wird nicht gestreckt, das Porzellan nicht in eine Form gezwungen, die es nicht halten will.

    Ausverkauft bedeutet bei Tunï Gallery ausverkauft. Und unrund darf unrund sein.

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