Im Gespräch über das neue Album End The Party, musikalische Vorbilder, Kreativität als Handwerk und eine Heimat, die mehr ist als Trüffel und schöne Strände.
Wer Baby Lasagna nur durch Rim Tim Tagi Dim kennt, dürfte von seiner neueren Musik überrascht sein. Mit End The Party, das heute erscheint, schlägt der kroatische Musiker Marko Purišić einen härteren, fokussierteren Weg ein. Metal, elektronische Elemente und eine ordentliche Portion Humor gehören weiterhin dazu. Doch inzwischen scheint er genauer zu wissen, wie Baby Lasagna eigentlich klingen soll.
Als ich meine Fragen für dieses Interview zusammenstellte, war ich gerade in Istrien unterwegs. Zwischen Küstenorten, Olivenöl und Trüffeln begegnete mir eine Region, die sich Besuchern gerne von ihrer genussvollen Seite präsentiert. Für Marko Purišić, der hier aufgewachsen ist, bedeutet Istrien allerdings etwas anderes.
Wir sprachen über musikalische Vorbilder, die wenig romantische Realität des Songwritings und darüber, weshalb sich Metal ruhig etwas weniger ernst nehmen dürfte. Und über eine Heimat, die sich nicht auf das reduzieren lässt, was Touristen von ihr sehen.
End The Party klingt härter und fokussierter als dein erstes Album, zumindest nach den bisherigen Singles zu urteilen. Du hast einmal gesagt, dass Sedated einer dieser Momente war, in denen du dachtest: Genau so sollte Baby Lasagna klingen. Fühlt es sich gut an, diesen Sound gefunden zu haben, oder weckt das auch schon wieder den Wunsch, daraus auszubrechen?
Im Moment sind wir jedenfalls zufrieden und haben das Gefühl, eine Art Blaupause dafür gefunden zu haben, wie sich dieses Projekt anfühlen soll. Natürlich rechne ich damit, dass unser Hunger nach Neuem wachsen wird und irgendwann der Drang überwiegt, andere künstlerische Richtungen zu erkunden. Aber fürs Erste wissen wir, welchem roten Faden wir folgen wollen.
Baby Lasagna kann hart, emotional und völlig albern sein, manchmal alles innerhalb desselben Songs. Glaubst du, dass Metal sich gelegentlich etwas zu ernst nimmt?
Definitiv. Schon als Kind, als ich vor über 20 Jahren angefangen habe, härtere Musik zu hören, habe ich mich gefragt: Warum bestehen eigentlich alle darauf, so ernst zu sein?
Heute verstehe ich besser, warum das so ist. Es gehört gewissermaßen zum Gatekeeping in der Metal-Szene. Da spielen Stolz und andere ungeschriebene emotionale Regeln eine Rolle. Trotzdem finde ich, dass auch Platz dafür sein sollte, mal albern zu sein.
Allerdings habe ich das Gefühl, dass sich die Zeiten ändern und die Kultur weiterentwickelt. Heute sieht man sogar Will Ramos von Lorna Shore, einen der extremsten Metal-Sänger, wie er über pinke Autos und Welpen spricht. Oder George „Corpsegrinder“ Fisher von Cannibal Corpse, der Plüschtiere sammelt. Ich finde nicht, dass solche unbeschwerten Hobbys der Härte ihrer Musik irgendetwas nehmen.
Ich muss gestehen, dass ich Electric-Callboy-Fan bin. Wahrscheinlich hat mich deine Musik deshalb auch so schnell angesprochen. Du hast die Band selbst als Einfluss genannt. Wie lässt du dich von Bands inspirieren, die du liebst, ohne am Ende genauso zu klingen wie sie?
Ich ärgere mich irgendwie über mich selbst, wenn ich daran denke, dass ich schon vor 15 Jahren die Idee hatte, eine Band zu gründen, die Metalcore mit Techno verbindet. Aber ich habe das einfach nicht weiterverfolgt. Und ein paar Jahre später waren sie da und Hypa Hypa war plötzlich überall. Wobei ich ehrlich zu mir selbst sein muss: So gut hätte ich es wahrscheinlich nicht hinbekommen, haha.
Aber um deine Frage zu beantworten: Manchmal schreibe ich einen Song und bin total begeistert davon. Dann spiele ich ihn meiner Frau vor und sie sagt: „Klingt zu sehr nach EC.“
Das tut höllisch weh. Aber wenn man ehrlich zu sich selbst ist, weiß man, dass der Song ihrem Sound zu nahekommt. Man wollte es sich nur nicht eingestehen. Also muss man noch einmal von vorne anfangen und darauf achten, nicht ihre typischen Tricks zu verwenden.
Sich von anderen inspirieren zu lassen, gehört aber zum kreativen Prozess jedes Künstlers und war schon immer so. Man versucht, wie seine Vorbilder zu klingen, und findet hoffentlich irgendwann auf diesem Weg seinen ganz eigenen Stil.
Du hast erzählt, dass du allein 2022 mehr als 130 Songs geschrieben hast. Was hat dich diese enorme Menge über das Musikmachen gelehrt?
Das ist längst nicht so romantisch, wie man vielleicht annimmt. Man kann nicht einfach auf Inspiration warten. Man muss arbeiten, und zwar in jeder Hinsicht.
Ich habe gelernt, dass ich keine magische Kiste voller unvorhersehbarer Ideen bin, die irgendwann explodieren und die Welt verzaubern. Sondern dass ich bestimmte Muster habe und mich unbewusst immer wiederhole. Diese Muster muss ich durchbrechen und hinter mir lassen.
Passiert es dir manchmal, dass du mitten beim Schreiben eines Songs merkst: Oh. Offenbar gibt es da etwas, mit dem ich mich auseinandersetzen muss?
Oh, ich hoffe, dass mir das eines Tages passiert. Aber Musik ist für mich keine Therapie. Sie ist ein großartiges Mittel, um etwas auszudrücken, das bereits passiert ist oder das man schon weiß.
Songwriting war für mich keine Erfahrung, bei der ich mich emotional von etwas befreit hätte. Aber es hat mir in gewisser Weise die Augen geöffnet, weil ich etwas in mir entdeckt habe, von dem ich vorher nicht wusste, dass es da ist.
Wir verbringen gerade einige Zeit in Istrien. Wenn Menschen von außerhalb an die Region denken, fallen ihnen meistens Meer, Wein, Trüffel und Urlaub ein. Was gibt es an dem Istrien, in dem du aufgewachsen bist, das Touristen normalerweise nicht zu sehen bekommen?
Die Trüffelkultur in Istrien ist künstlich geschaffen, haha. Frag irgendeine Nona (Großmutter), und sie wird dir erzählen, dass Trüffel nie wirklich Teil der istrischen Küche waren. Es gibt sogar Geschichten darüber, dass man früher Trüffel an die Schweine verfüttert hat, wenn die Leute zufällig welche gefunden haben.
Ja, es gab kleine Teile Istriens, in denen Trüffel eine gewisse Rolle spielten. Aber das war selten und für die Kultur insgesamt ziemlich unbedeutend.
Istrien als Trüffeldestination zu vermarkten, ist eine Erfindung, die man sich vom französischen und italienischen Tourismus abgeschaut hat, um mehr Geld zu verdienen.
Außerdem muss man vorsichtig sein: Echte Trüffel und authentische Trüffelprodukte sind erstaunlich selten. Viele der Produkte, die man hier findet, werden mit synthetisch hergestellten Aromastoffen statt mit echten Trüffeln produziert. Und es ist natürlich reiner Zufall, dass die Preise für Trüffelprodukte hier in Istrien in die Höhe geschossen sind, als die Gaspreise gestiegen sind, haha.
Wie auch immer, nachdem ich das jetzt losgeworden bin: Für mich ist Istrien natürlich nicht die Küche oder die Strände. Es sind die Menschen, die Sprache, die Bräuche und die besondere Kultur dieses Teils Kroatiens.
Es ist mein Zuhause.
Rim Tim Tagi Dim erzählt von einem jungen Mann, der seine Heimat verlässt, um eine bessere Zukunft zu finden. Der Ort, aus dem du kommst, hat also offensichtlich seinen Weg in deine Musik gefunden. Wie viel Istrien steckt in deinen Songs, selbst wenn du nicht direkt darüber schreibst?
Ich glaube, dass mich die istrische Kultur geprägt hat. Deshalb steckt vermutlich sehr viel Istrien in meiner Musik. Nur erkenne ich das selbst nicht, weil ich ein Teil davon bin.
Davon abgesehen fände ich es cool, in Zukunft mehr istrische Klänge, Instrumente und überhaupt dieses besondere Gefühl in unsere Musik einzubauen. Das sollte ich mir mal aufschreiben!
Und weil dein neues Album End The Party heißt: Wenn die Party eines Tages wirklich zu Ende ist, was hoffst du, dass dann noch bleibt?
Ich habe eine vage Vorstellung davon, was da draußen ist. Ich habe darüber in einem ganz bestimmten Buch gelesen. :)
End The Party erscheint am 23. Oktober 2026. Im November geht Baby Lasagna mit dem neuen Album auf Europatournee.
Weitere Informationen und Tourdaten: babylasagnamusic.com
Das Interview wurde schriftlich auf Englisch geführt und für die Veröffentlichung ins Deutsche übersetzt.