Es gibt Interviews, auf die bereitet man sich akribisch vor, recherchiert und beschäftigt sich genau mit seinem Gegenüber. Doch was tut man, wenn man einen Dinosaurier interviewt? Man geht genauso vor, nur mit etwas mehr Respekt. Immerhin könnte man gefressen werden.
Glücklicherweise handelt es sich bei Mr. Heavysaurus um einen ausgesprochen netten Dino. Und überhaupt: Wann hat man schon die Gelegenheit, einen echten Dinosaurier zu interviewen?
Ich ging auf die Suche, nicht in einem abgelegenen Dschungel oder bei einer paläontologischen Ausgrabung, sondern mitten in der Musikwelt. Denn dort treiben hierzulande seit fast zehn Jahren fünf ungewöhnliche Gestalten ihr Unwesen: vier Dinosaurier und ein Drache, die gemeinsam als Heavysaurus Metal machen.
Ich habe Mr. Heavysaurus, dem Anführer der Bande, meine Fragen geschickt. Meine Freude war groß, als die Antworten kamen, denn es muss ganz schön schwierig sein, mit so großen Dino-Pranken eine Tastatur zu bedienen.
Heavysaurus gibt es seit fast zehn Jahren. Ein Kind aus unserer Familie kam 2019 zum ersten Mal mit euch in Kontakt und war gerade erst wieder bei eurem Konzert in Luhmühlen begeistert dabei. Merkt ihr, dass Kinder euch über viele Jahre treu bleiben, und verändert das, wie ihr euch als Band weiterentwickelt?
Das ist tatsächlich eines der schönsten Dinge an unserer Dino-Mission! Wir erleben immer häufiger, dass Kinder, die uns vor vielen Jahren zum ersten Mal gesehen haben, heute wieder vor der Bühne stehen. Manche sind inzwischen Teenager und bringen ihre jüngeren Geschwister mit. Und die Eltern kennen unsere Songs teilweise genauso gut wie die Kinder!
Natürlich verändert sich unser Publikum über die Jahre. Kinder werden größer, entdecken neue Musik und entwickeln ihren eigenen Geschmack. Aber genau das ist ja unser Ziel: Wir wollen die erste Tür zur großen Welt der Rockmusik öffnen und die Begeisterung für Livemusik entfachen.
Deshalb entwickeln auch wir uns ständig weiter. Unsere Musik darf durchaus anspruchsvoller und abwechslungsreicher werden. Mit unserem Album „METAL“ haben wir das bereits gezeigt, und mit „Mission Dino Power“ schlagen wir 2027 das nächste Kapitel auf.
Wir möchten, dass Kinder mit uns wachsen können, ohne dabei die nächste Generation kleiner Dino-Metalheads zu vergessen. Und wenn aus einem fünfjährigen Heavysaurus-Fan irgendwann ein begeisterter Iron-Maiden-Fan wird, dann haben wir doch alles richtig gemacht!
Wir waren inzwischen auf mehreren Heavysaurus-Konzerten, und jedes Mal ist es diese schöne Mischung aus Kindern und Eltern, die gemeinsam Musik erleben. Der Fokus liegt auf den Kleinen, aber die Großen haben genauso viel Spaß. Da kann es schon mal passieren, dass Mama genauso laut mitsingt wie der Nachwuchs.
Die Band sieht sich als erste Tür zur Rockmusik. Für viele Kinder sei ein Heavysaurus-Konzert das allererste richtige Livekonzert, erzählt Mr. Heavysaurus. Immer wieder würden Familien berichten, dass ihre Kinder durch die Dinos angefangen haben, ein Instrument zu lernen.
Bei uns war es etwas anders. Metal lief zu Hause schon immer, die Kinder kannten das. Aber Heavysaurus wurde kurzerhand adoptiert, als etwas, das ihnen ganz allein gehört. Nach dem Motto: Das ist jetzt unsere Musik.
Eure Songs funktionieren für Kinder, sollen aber gleichzeitig auch Eltern abholen. Wie schreibt man Texte auf zwei Ebenen, sodass Kinder einen eigenen Zugang dazu haben und Erwachsene trotzdem noch etwas darin entdecken können?
Unser Geheimnis ist eigentlich ganz einfach: Wir nehmen Kinder ernst. Wir machen Musik für Kinder, aber keine klassische Kindermusik.
Unsere Texte erzählen von Dingen, die Kinder unmittelbar verstehen: Freundschaft, Mut, Abenteuer, Zusammenhalt oder auch mal davon, einfach richtig laut sein zu dürfen. Das sind aber gleichzeitig Themen, die Erwachsene genauso beschäftigen.
Dazu kommt natürlich eine ordentliche Portion Humor. Kinder lieben die verrückten Geschichten, während die Eltern vielleicht noch eine kleine Anspielung oder einen musikalischen Witz entdecken.
Musikalisch machen wir sowieso keine Kompromisse. Da gibt es echte Gitarrenriffs, große Refrains, treibende Drums und Einflüsse von Bands wie Iron Maiden, Metallica, Sabaton oder Volbeat.
Wenn ein Kind begeistert „Kuhglocke, Go!“ mitsingt und Papa daneben mit der Pommesgabel headbangt, dann funktioniert das Konzept ziemlich gut!
Kinder erleben Konzerte oft ganz anders als Erwachsene. Was habt ihr über Live-Shows gelernt, weil euer Publikum so unmittelbar reagiert und sich nicht an klassische Konzertregeln hält?
Kinder sind wahrscheinlich das ehrlichste Publikum der Welt! Wenn ihnen etwas gefällt, dann zeigen sie es sofort. Sie springen, tanzen, schreien, singen und halten ihre Pommesgabeln in die Luft. Und wenn sie etwas nicht interessiert, merkt man das genauso schnell.
Deshalb muss bei uns auf der Bühne ständig etwas passieren. Unsere Konzerte sind nicht einfach nur eine Abfolge von Songs, sondern richtige Abenteuer mit Geschichten, Mitmachmomenten, Licht, Nebel, Konfetti und jeder Menge Überraschungen.
Gleichzeitig haben wir gelernt, dass Kinder ganz unterschiedliche Bedürfnisse haben. Manche stehen sofort ganz vorne und rocken los, andere brauchen erst ein paar Minuten, um sich an die großen Dinos zu gewöhnen.
Deshalb spielen wir zu familienfreundlichen Uhrzeiten, mit angepasster Lautstärke und nach Möglichkeit einem eigenen Kinderbereich direkt vor der Bühne.
Was uns aber am meisten begeistert: Kinder kennen keine musikalischen Berührungsängste. Wenn ihnen ein Gitarrenriff gefällt, dann gefällt es ihnen. Ganz egal, ob das nun Metal, Hard Rock oder etwas anderes ist.
Metal wird von außen noch immer gern mit laut, düster oder aggressiv verbunden. Wer einmal auf einem großen Metal-Festival war, weiß es besser, sagt Mr. Heavysaurus. Das kann ich bestätigen.
Auf einem Konzert, das mit Dinos nichts zu tun hatte, sind meine Kinder mitten in einem Circle Pit verschwunden. Mein erster Gedanke: Oh shit. Mein zweiter: Ach nee, da passiert nix. Denn die Kinder wurden von den anderen Besuchern so abgeschirmt, dass sie mitten im Trubel gut geschützt waren. Alle haben auf sie aufgepasst.
Für die Band bedeutet Metal vor allem Freiheit, Gemeinschaft und die Möglichkeit, anders sein zu dürfen. Und ungewöhnlicher als vier Dinosaurier und ein Drache, die Heavy Metal spielen, geht es ja auch kaum.
Mit „Mission Dino Power“ gibt es nicht nur neue Musik, sondern auch neue Abenteuer und Geschichten über euch. Wann habt ihr gemerkt, dass Kinder zu jedem von euch eine ganz eigene Beziehung aufbauen, und wie verändert das die Geschichten, die ihr erzählt?
Das merken wir besonders bei unseren Meet & Greets. Manche Kinder wollen unbedingt zu Milli Pilli, andere sind riesige Fans von Riffi Raffi oder Komppi Momppi. Und natürlich gibt es auch jede Menge kleine Mr.-Heavysaurus-Fans!
Jeder von uns hat seine eigene Persönlichkeit, und die Kinder finden darin ganz unterschiedliche Dinge wieder. Genau diesen Gedanken greifen wir mit „Mission Dino Power“ auf.
In unserer neuen Geschichte entdeckt jedes Bandmitglied seine eigene Superkraft. Milli Pilli hat die Kraft ihrer Keyboards, Riffi Raffi beherrscht die mächtigsten Gitarrenriffs, Komppi Momppi sorgt für den alles antreibenden Beat und Muffi Puffi bringt mit seinem Bass-Groove alle zum Headbangen. Und ich halte mit meiner Pommesgabel die ganze Bande zusammen!
Aber die wichtigste Botschaft ist: Keiner von uns ist allein so stark wie wir alle zusammen.
Wir möchten Kindern zeigen, dass jeder Mensch besondere Talente hat. Man muss nicht der Lauteste, Größte oder Schnellste sein, um ein Held zu werden. Manchmal ist die größte Superkraft einfach, für andere da zu sein.
Rund um Heavysaurus ist inzwischen eine ganze Welt aus Musik, Shows, Geschichten und Merchandise entstanden. Euer Publikum ist größtenteils sehr jung. Welche Verantwortung empfindet ihr deshalb bei Vermarktung und Konsum, und wo zieht ihr selbst Grenzen?
Wir sind uns dieser Verantwortung sehr bewusst. Unsere Fans sind häufig noch sehr jung, und deshalb müssen wir mit diesem Vertrauen besonders sorgfältig umgehen.
Natürlich gibt es bei uns T-Shirts, Kuscheltiere, Comics, Hörspiele und viele andere Dinge. Die Kinder lieben unsere Figuren und möchten ein Stück ihrer Dino-Welt mit nach Hause nehmen. Das ist auch völlig in Ordnung.
Aber unser wichtigstes Produkt soll immer die Musik und das gemeinsame Erlebnis bleiben. Ein Kind muss nicht das neueste T-Shirt besitzen, um ein echter Heavysaurus-Fan zu sein. Die Pommesgabel kostet schließlich nichts!
Uns ist wichtig, dass Heavysaurus für positive Werte steht und dass Familien bei uns eine gute gemeinsame Zeit verbringen können.
Deshalb gehört zu unserer Arbeit auch soziales Engagement. Von jedem verkauften Konzertticket geht eine Spende an „Die Arche“, um benachteiligte Kinder zu unterstützen und ihnen besondere Erlebnisse zu ermöglichen.
Musik soll verbinden und möglichst vielen Kindern zugänglich sein. Es geht nicht darum, möglichst viel zu verkaufen, sondern darum, möglichst viel Begeisterung für Musik zu wecken.
Heavysaurus sind offizielle Botschafter der Organisation „Die Arche“, die sich für benachteiligte Kinder und ihre Familien einsetzt. Von jedem verkauften Konzertticket geht ein Euro an die Arche. 50 Cent fließen als direkte Spende, die andere Hälfte unterstützt besondere Aktionen, etwa Konzertbesuche für Kinder, denen solche Erlebnisse sonst möglicherweise verwehrt bleiben. Im November 2024 überreichten die Dinos der Arche einen ersten Spendenscheck über 25.000 Euro.
So können die Dinos ihre Begeisterung für Musik auch dorthin tragen, wo ein Konzertbesuch nicht selbstverständlich ist.
Ihr habt sowohl klassische Familienkonzerte als auch große Festivalbühnen gespielt. Verändert sich eure Show, wenn ihr mitten in einem klassischen Rock- oder Metalumfeld auftaucht?
Im Kern überhaupt nicht! Wir spielen immer echten Rock und Metal, egal ob vor 200 Kindern in einem kleinen Club oder vor Tausenden Metalheads auf dem Wacken Open Air.
Natürlich passen wir unsere Show an die jeweilige Bühne und das Publikum an. Bei unseren Familienkonzerten stehen die Kinder ganz besonders im Mittelpunkt, mit vielen Mitmachmomenten und Geschichten.
Auf einem großen Festival dürfen die Gitarren vielleicht noch ein bisschen mehr im Vordergrund stehen. Aber unsere Musik, unsere Figuren und unsere Botschaft bleiben dieselben.
Das Verrückte ist ja, dass gerade die erwachsenen Metal-Fans oft genauso begeistert reagieren wie die Kinder. Wenn auf Wacken plötzlich Tausende gestandene Metalheads gemeinsam mit kleinen Dino-Fans die Pommesgabel hochreißen, dann ist das schon ein ziemlich unglaubliches Gefühl.
Wir sehen uns als Brücke zwischen den Generationen. Vielleicht erlebt ein Kind bei uns seinen ersten Festivalauftritt und steht zwanzig Jahre später selbst mit seinen Freunden vor der Wacken-Hauptbühne.
Das wäre für uns der größte Erfolg!
Dass Heavysaurus auch auf großen Metalfestivals auftreten, ist wenig überraschend. Dass dafür sogar die Altersregeln angepasst werden, schon eher. Beim Wacken Open Air 2026 durften ausnahmsweise auch Kinder unter sechs Jahren zum Auftritt der Dinos kommen, in Begleitung Erwachsener und mit Gehörschutz. Und ganz vorne vor der Bühne gehört der Platz den Kindern. Die Band nennt diesen Bereich liebevoll „Kid’s Pit“.
Ich habe einmal die Geschichte gehört, dass ihr in einer Garderobe festsaßt, weil ihr nicht mehr durch die Tür gepasst habt. Gibt es noch mehr solcher Momente, in denen die Menschenwelt einfach nicht für Dinosaurier gebaut ist?
Hahaha! RAAAARRR! Ja, die Menschenwelt ist wirklich nicht besonders dinosaurierfreundlich gebaut!
Stell dir mal vor, du bist ein riesiger T. Rex und sollst durch eine ganz normale Tür passen. Oder du bist Riffi Raffi und musst aufpassen, dass du mit deinen Drachenflügeln nicht die halbe Garderobe abräumst!
Besonders lustig wird es hinter der Bühne. Während andere Bands einfach ihre Instrumente schnappen und loslaufen, müssen wir erst einmal schauen, ob unsere Dino-Köpfe durch die Türen passen und ob genug Platz für unsere Schwänze ist.
Und versuch mal, mit riesigen Dino-Tatzen eine kleine Türklinke zu bedienen!
Aber irgendwie schaffen wir es am Ende immer auf die Bühne. Und sobald die Gitarren loslegen und die Kinder RAAAARRR brüllen, sind alle Schwierigkeiten vergessen.
Vielleicht sollten wir einfach mal eine eigene Dino-Konzerthalle bauen. Mit fünf Meter hohen Türen, extragroßen Garderoben und einem riesigen Kühlschrank voller Dino-Snacks!
ROOOAAARRR und Pommesgabel hoch!
Mr. Heavysaurus
Heavysaurus ist derzeit auf Tour! Alle Infos und Tickets findest du hier.